Kategorie «Allgemein»

Ankündigung: Jubiläumsanlass des VSD am 15. Dez. 2018

Der Verein Schweizerdeutsch wurde im Jahr 1938 von Adolf Guggenbühl und Eugen Dieth als «Bund Schwyzertütsch» zum Schutz der Schweizer Mundart und Dialektvielfalt gegründet. Seit 1990 heisst er «Verein Schweizerdeutsch». In diesem Jahr feiert der Verein sein 80-jähriges Bestehen.

Zur Feier des Jubiläums veranstaltet der Verein im November 2018 einen Jubiläumsanlass, an dem unsere Mundarten ganz im Vordergrund stehen sollen. Ziel ist es insbesondere, den VSD wieder stärker als Dachorganisation verschiedener dialektinteressierter und -pflegerischer Lokalgruppen zu etablieren. An der im Rahmen des Jubiläumsanlasses stattfindenden Generalversammlung sollen ausserdem die Vereinsstatuten überarbeiten und der Verein so fit für das 21. Jahrhundert gemacht werden.

Die Jubiläumsveranstaltung wird am 15. Dezember im Schloss Greifensee stattfinden. Ein detailliertes Programm wird zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle bekanntgegeben.

PS: Über unser Jubiläum wurde am Do., 26. April, in der “Schnabelweid” berichtet (ab 21 Uhr auf Radio SRF1; Aufzeichnung, ab 43:10 min).

Themendossier des Instituts für Mehrsprachigkeit: Schweizerdeutsch & Schule

Das Institut für Mehrsprachigkeit an der Universität Freiburg i.Ü. sammelt seit vielen Jahren Literatur zur Mehrsprachigkeit in der Schweiz. Die gesammelte Literatur wird online in einem Webportal öffentlich zugänglich gemacht. Das Webportal enthält u.a. auch ein Themendossier zum Thema „Schweizerdeutsch & Schule“, in welchem eine grosse Zahl an Publikationen (Zeitungsartikel, Zeitschriftenartikel usw.) zu diesem Thema verzeichnet ist.

Die Bearbeiter des Themendossiers schreiben dazu folgendes:

Das Dossier «Schweizerdeutsch und Schule» erlaubt Einblicke in die Didaktik sowie in das Nachdenken über das Nebeneinander von Dialekt und Standardsprache in der Schule. Bibliographiert wurden Lehrmittel, Presseberichte, graue Papiere und wissenschaftliche Studien von den 1950er Jahren bis in die jüngste Gegenwart.

Aus technischen Gründen ist leider eine direkte Verlinkung auf das Themendossier nicht möglich. Der Zugriff auf das Themendossier gelingt wie folgt:

Zum Tod von Hanery Amman

Nachrufe:

Aus seiner Feder stammten die Schweizer Hits, die vor allem Polo Hofer berühmt machten. Nun ist Hanery Amman im Alter von 65 gestorben. Mehr auf: Tages-Anzeiger

Die Seele des Mundartrock: Mehr auf: NZZ

Der begnadete Komponist und Pianist Hanery Amman schrieb Schweizer Musikgeschichte. Ein knappes halbes Jahr nach Polo Hofer ist auch der zweite Mundart-Pionier 65-jährig an Krebs gestorben. Mehr auf: Solothurner Zeitung

Mundartliteratur: Neuerscheinungen 2017

Läsiblüescht

Prättigauer und Davoser Dialekttexte aus 159 Jahren.
Herausgegeben von der Walservereinigung Graubünden

ISBN: 978-3-909210-05-3
Walservereinigung Graubünden
erhältlich bei der Druckerei Landquart und im Buchhandel.
Peter Eggenberger: Vo gschiide ond tomme Lüüt

Vo gschiide ond tomme Lüüt“ von Peter Eggenberger, 124 Seiten, illustriert, Appenzeller Verlag, Fr. 22.–, erhältlich im Buchhandel, beim Verlag und beim Autor (ISBN 978-3-85882-761-6)
(10. Buch der Reihe „Kurzgeschichten im Kurzenberger Dialekt“)

Die Verlagszeitschrift „Die Zeile“ zur Neuerscheinung: „Erstaunliche Zwischenfälle und schier unglaubliche Tatsachen prägen dieses Buch. Im Mittelpunkt stehen Leute wie du und ich. Menschen, die intelligent und witzig-schlau agieren oder aber sich reichlich naiv verhalten…“

Dialekt-Kenner Christian Schmid, Radio SRF: Eggenberger ist ein Profi. Er schreibt witzige runde Geschichten und erzählt diese gekonnt. Die Zusammenarbeit mit ihm ist jedes Mal ein Vergnügen.

Mitgliederversammlung 2017 am 18. Nov.

Die jährliche Mitgliederversammlung findet in diesem Jahr am 18. Nov. 2017 in Bern statt. Wir treffen uns ab 10:30 Uhr im Restaurant Beaulieu an der Erlachstrasse 3 in 3012 Bern. Besonderer Programmpunkt: Christine Rothenbühler erzählt „D Späckomelette“ – grusligi Sage us de Alpe.

Gäste sind willkommen!

Anmeldung bis am 11. Nov. unter: https://beta.doodle.com/poll/pbck7qzdxcnm8zc9

Treffen der Dialektologen im Breisgau

Die alemannischen Dialektforscherinnen und -forscher haben sich im Oktober zu einer Arbeitstagung in Freiburg i. Br. getroffen. Dabei brachten viele interessante Projekte neue Erkenntnisse.

Seit über 50 Jahren versammeln sich Leute, die sich beruflich mit Mundarten beschäftigen, im Dreijahres-Rhythmus zu einer Arbeitstagung.  Mitte Oktober fand sich eine Gruppe mit rund 80 Personen aus der Alemannia (Süddeutschland, Elsass, Vorarlberg, Deutschschweiz) in Freiburg im Breisgau. Während zweieinhalb Tagen machten sie sich ein Bild von den aktuellen Entwicklungen in der Mundartforschung. Und beim Festanlass kam das Gesellige nicht zu kurz. Der Mundartdichter und Sprachverwurstler Stefan Pflaum holte die Sprachforscher ab.

Von dänk über kolümnele bis Schtyykch – alles Schweizerdeutsch

Hier lose ein paar fachliche Rosinen aus dem reich befrachteten Programm:

  • Helen Christen, Professorin an der Uni Freiburg (CH), sprach im Eröffnungsvortrag über Satzbestandteile, die im Schweizerdeutschen zu Partikeln werden. Die Wörter dänk, gloub, meini, schints schränken die Gültigkeit einer Satzaussage ein. «Der Sprecher kommentiert mit ihnen einen Sachverhalt mit Faktizität und Eventialität», sagte Christen. Dänk, gloub, meini, schints seien nur schwer zu übersetzen.
  • Mirjam Weder, Karin Madlener und Sophie Dettwiler (Unis Basel und Lausanne) untersuchen produktive Verben auf -le/-ele, die auf Nomen zurückgehen. Feste Formen wie zmörgele, tökterle, käfele sind Vorbilder für kreative Neuschöpfungen wie facebookele, kolümnele, whatsäpple oder interviewle. Schweizerdeutsch kann sich täglich verändern.
  • Raphael Berthele, Mehrspachigkeitsprofessor an der Uni Freiburg (CH), verglich die regelmässigen Diskussionen ums Mundartlernen mit denjenigen ums Fremdsprachenlernen. Bei beiden gebe es viele Stereotypen und Vorurteile, welche vom Zeitgeist geprägt seien. Berthele forderte wortgewandt mehr Forschung und weniger Meinung.
  • www.sprachatlas.ch heisst eine neue Internetseite über den Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Die Idiotikon-Redaktion macht darauf einige Originaldaten, -notizen und -karten aus dem Archiv zugänglich und erleichtert so das Forschen. Zusätzlich ist bei der Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften eine Broschüre über Bedeutung und Hintergründe des SDS herausgekommen.
  • Rebekka Studler von den Uni Basel hat die Einstellungen der Deutschschweizer gegenüber Dialekt und Standard untersucht und mit früheren Studien verglichen. Alte Stereotypen gegenüber dem Standard bleiben zwar, doch insgesamt wird der Umgang mit der hochdeutschen Variation immer selbstverständlicher. Er ist weniger belastet und weniger problematisch.
  • Christa Schneider und David Bichsel von der Uni Bern haben sich gefragt: «Can you English?» Wie sprechen die Berner englische und für Schweizer Ohren ungewohnte Laute wie in Pub, Update, etc. sowie in Steak aus? Gerade bei Steyk vs. Schtyykch zeigt sich, dass die mittlere Generation gern über das Ziel hinausschiesst. Auch gibt es Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Sprechern.
  • Aber auch im süddeutschen Raum wird viel geforscht. Javier Caro Reina hat dabei eine neue Einteilung des alemannischen Sprachraums propagiert. Es sei entscheidend, ob der Schwerpunkt eher auf der Silbenaussprache oder auf der Wortaussprache liege. Mit einer eigenen Analyse versuchte er, diese Typologie noch zu verfeinern.

Christian Schmutz, Oktober 2017

Reis zum Samichlaus

Wer sich d’Zit bis zur Wienacht vetriibe will, macht sich am beschte mit em Müüserich Mäxu uf d’Reis zum Samichlaus. Jede Tag wartet e sorgsam illustrierts Oobetüür, im Berner Dialekt vezellt. Für Chind vo vier bis hundertzwänzgi.

Graf, Irene (Hg.): Adväntskaländer in Mundart: garantiert zahnschonend. Mit Illustrationen von Edith Pieren. mundARTverlag 2008.

Als Kalender (ISBN: 9783952371527) und als Hörbuech (ISBN: 9783952371534) erhältlich.

http://www.mundartverlag.ch/maexu/

Flade?

Chürzlich uf em Weg ad Uni. I stüüre dur de Bahnhof, halbe no i de S-Bahn am Lese, halbe scho im Seminarruum am Diskutiere. Us em Augewinkel erhasch i en neue Lade. E Bäckerei, wie s vo usse uusgseht. Mitten im akademische Chrüsimüsi meldet sich min Mage. Luutstarch, wie immer, und mit ere gnaue Vorstellig vo Zmittag: Flade söl s sii. Also mach i kehrt, laufe dur d Schiebetür gradwegs zum Trese und froge d Vechäuferin dehinder: «Grüezi, hend Sie Flade?» D Vechäuferin luegt mi vedutzt aa. «Was hend mr?» Ihres Züritüütsch loht mi no nöd zwiifl e, drum erwideri munter: «Flade.» Und im Moment, won i s sege, merk i, dass do kei akustischs Missveständnis vorliit, sondern e dialektals. Wan i meine, isch: «Wäääie.» I seg s mit Noodruck, zieh s «ä» id Längi, wil da d Zürcher doch so mached, oder? Es fühlt sich komisch aa. S Wort chunnt nu schwer über mini Lippe. Trotzdem muen i grinse, und au d Vechäuferin lächlet veschmitzt. Professionell, wie sie off esichtlich isch, velüürt sie kei Wort über üsen kulturelle Grabe. «Nei, leider», antwortet sie stattdesse und beloht s debii, zum üüs beidne wiiteri Piinlichkeite z erspare. So verlohn i de Lade ohni Flade. Ohni Wäääie. Ohni Zmittag. Und doch eigenartig zfride.

(Susanna Schoch)

Neues aus der Wissenschaft

Wenn man eine Lokalbevölkerung nach dem Klang ihrer Mundart oder derjenigen ihrer Nachbargebiete fragt, erhält man bisweilen recht interessante Antworten. Die Benennung von charakteristischen Merkmalen und die impressionistischen Beschreibungen des Klangs einer Mundart können einiges verraten darüber, wie eine Mundart von den Sprechern selber oder ihren Nachbarn wahrgenommen wird. In einem wissenschaftlichen Artikel von 2014 bespricht Helen Christen, Professorin für germanistische Linguistik, solche Laienaussagen über Mundarten, die im Rahmen der Datenerhebung für den Sprachatlas der Deutschen Schweiz (SDS) erfasst und im Atlas unter der Rubrik “Hinweise der Gewährsleute” vermerkt worden sind. So gab etwa eine Gewährsperson aus Sisikon (Kanton Uri) zu Protokoll, die eigene Mundart sei “nicht so gezogen wie diejenige von Schwyz”, womit wohl auf die unterschiedliche Entwicklung gewisser Langvokale angespielt ist. Häufig trifft man Aussagen wie diejenige einer Gewährsperson in Feusisberg (Kanton Schwyz), die sagte: “Hier sagt man öis, in Einsiedeln üüs”. Ein Vergleich zeigt nun, dass die Laienurteile zumindest bei den lautlichen Unterschieden verlässlich waren und mit den objektiven, für den SDS am jeweiligen Ort erhobenen Daten übereinstimmten. Bei Unterschieden im Wortschatz war dies jedoch nicht immer der Fall. So bemerkte etwa eine Gewährsperson in Sarnen, in Lungern sage man dem Bäcker Brootler, was aber durch die SDS-Daten nicht bestätigt werden konnte.

Christen, Helen (2014). “«Die hiesige Mundart ist nicht so gezogen wie diejenige von Schwyz». Metakommunikation und das Sprachraumwissen von Laien”. In: Bühler, Rudolf et al.: Sprachkultur – Regionalkultur. Neue Felder kulturwissenschaftlicher Dialektforschung. Tübingen. S. 35-54.

LT, 18. Juni 2016

De startschuss isch gfalle

Vor füf täg het smundartforum chöne sis projekt emne tolle publikum vorstelle! Sisch ä lässigi stimmig xi im „Jenseits“ underem Viadukt, und üsi künschtler – sowohl die plante als au die am offene mikro – hend sich vo ihrer beschte siite zeigt. Wie sich dStandardsproch und sSchwiizerdütsche mengmol id hoor bechömed und mengmol id arme falled, het üs dr Guy Krneta wunderbar sprochgwandt präsentiert. Am offene mikro het zersch dMaria König-Nydegger die ganz gsellschaft mit ihrne bärndütsche gschichte zum lache brocht, dänn hend üs dr Dario und de Fredrik mit ihrne mörderische chirurgefantasie manchi gruselschauer über dr rugge gjagt. Au de Remo Zumstein het mit sim uftritt meh als brilliert und üs mit sine sprochspiil zum giggele, aber au zum nodenke broocht. Sgäbt no so viel zverzelle: vom lieblingswort, vom sprochatlas und üsem gwitzte moderator Patrick Meade. Aber do muess mr eifach debii xi sii; snächscht mol denn!;-) Sisch nämli würkli en glungene alass xi, perfekt gschlosse mit de is Herz fahrende rhythme vo O.H. Danke a eui all!