Willkommen beim mundartforum

Willkommen beim mundartforum!

Das mundartforum ist eine Webplattform für alles, was mit den schweizerdeutschen Dialekten zu tun hat. Es bietet allen interessierten Personen – egal, ob sie sich nun in wissenschaftlichem oder künstlerischem Kontext mit Dialekten beschäftigen oder einfach sonst Freude am Dialekt haben – eine Plattform zur Vernetzung, zum Austausch und zur Zusammenarbeit.

Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zum Verein mundartforum (ehemals: Verein Schweizerdeutsch), zu seinen Publikationen und Aktivitäten, eine Agenda mit Veranstaltungshinweisen, Informationen zur Sprachstelle des Vereins und ausserdem zahlreiche Verzeichnisse, Links und weitere Inhalte zum Thema Mundart.

Zur Webplattform kann jede und jeder selbst etwas beitragen: Wir nehmen sehr gerne Veranstaltungshinweise, Ergänzungen zu den Linklisten und Verzeichnissen sowie sonstige Verbesserungsvorschläge entgegen.

Wir wünschen viel Spass beim Stöbern!

Schweizer Dialektsammlung – Jeder kann mitmachen!

Unter dialektsammlung.ch kann man die Forschung zum Schweizerdeutschen unterstützen. Dialektsprechende sind aufgefordert, hochdeutsche Sätze in die Mundart zu übersetzen und aufzunehmen. Zudem kann man Aufnahmen von anderen Teilnehmenden überprüfen.

Die Daten werden dann für die Forschung im Bereich der Sprachtechnologie verwendet. Zu den Anwendungszielen gehören unter anderem Sprachassistenten, die Schweizerdeutsch können, sowie automatische Untertitel von Medienbeiträgen.

Schon mit drei Minuten können Sie einen wertvollen Beitrag leisten!

Auskunft Nr. 2021-3: Zwei Vogelnamen

Meine Mutter, aufgewachsen im Aargau/Freiamt, lebte jahrzehntelang in Zürich, und übernahm auch den hiesigen Dialekt. Doch immer, wenn sie eine Schar von Meisen, Buchfinken oder ähnlichen kleinen Vögeln sah (ich weiss nicht mehr, ob auch bei Spatzen, die man in der Stadt zwar sehr wohl kannte und von andern unterscheiden konnte), entrutschte ihr der Ausdruck Gálämätzli und Póppechläämli.
Das habe sie als Kind von ihren Eltern gehört.
Welche Vogelarten sind damit gemeint, und woher stammen die Ausdrücke?
Sie selber konnte mir das nicht erklären und/oder übersetzen.

– J. Z.

Antwort der Sprachstelle:

Den Namen Gálämätzli glauben wir identifizieren zu können als Gääl-Emmerize, zum Vogelnamen schweizerdeutsch Ammeriz, Ammerizli, Emmerize = neuhochdeutsch Ammer, lateinisch emberiza (Idiotikon, Band 1, Sp. 218). Speziell für den Kanton Aargau (Baderbiet) weist das Idiotikon die Form Gäälämerze (f.) nach, die ja relativ gut zur angegebenen Lautung passt, einfach noch mit Ausfall des –r-. Wörtlich ist es also eine „Gelb-Ammer“. Vielleicht ist damit die Goldammer gemeint.

Beim zweiten Wort handelt es sich wohl um den Vogelnamen Bopperchlään, auch Poppe(n)chlään (Schweizerisches Idiotikon, Band 3, Sp. 650) in der Verkleinerungsform. Mit diesem Namen scheinen früher verschiedene Vögel bezeichnet worden zu sein. Beim Idiotikon sind als Bedeutungen unter anderem ‚Blauspecht‘, ‚Kleiber‘ und ‚Baumläufer‘ angegeben. Der zweite Bestandteil des Wortes erklärt sich wohl vom Verb mittelhochdeutsch klenen, althochdeutsch chlenen ‚kleben‘ oder vom Verb chlääne, chlööne ‚klagen‘.

(L. Thöny, für die Sprachstelle des Vereins Mundartforum)

Auskunft Nr. 2021-2: Bedeutung von Umues

Von älteren Verwandten kenne ich das Wort Umues in der Bedeutung ‚Ärger, Problem, Schwierigkeit‘: das isch es Umues gsi geschter o.ä. Das Wort ist erstbetont (Úmues); U- steht wohl für hochdeutsch un-.

H. B. aus Winterthur

Antwort der Sprachstelle:

Dieses Wort gibt es tatsächlich im Schweizerdeutschen und es ist im Idiotikon zu finden unter Unmues(s) (Band 4, Spalte 497f.). Das Wort scheint in älterer Zeit im Schweizerdeutschen verbreitet gewesen zu sein und lässt sich unter anderem für die Kantone Bern, Basel, Graubünden, Zürich, Luzern, St. Gallen und Appenzell belegen. Es kommt in verschiedenen Lautvarianten vor: Umues(s), Oonues, Unnemuess (letzeres in Basel). Als Bedeutung gibt das Idiotikon an: „1. Mangel an Musse, infolge Überhäufung mit anderen Geschäften, 2. Geschäfte, Mühe, Plage“.

Das Wort existierte übrigens schon im Mittelhochdeutschen und lautete dort unmuoze f. „Unruhe, Mangel an Zeit, Geschäftigkeit“.

(Dr. phil. Luzius Thöny)

Auskunft Nr. 2021-01: Fèrie oder Feerie?

Frage:

Meine Freunde sagen für „Ferien“ Feerie mit einem langen –ee– und ich sage Fèrie (das –è– so ausgesprochen wie bei Herbscht auf Züridütsch). Wissen Sie, wie es „richtig/original Züridütsch“ ausgesprochen wird oder von wo die andere Aussprechart kommt?

– N.B. aus Ottenbach ZH

 

Antwort der Sprachstelle:

In der Tat: Die schweizerdeutsche Aussprache des Begriffs „Ferien“ schwankt zwischen den beiden signalisierten Polen Feerie mit langem, sogenannt geschlossenem Lang-e, das sich nur schwach von der hochdeutschen Lautung Ferien abhebt und gewissermassen die gradlinige Fortsetzung der lateinischen Ausgangsform feriae (=Plural, mit langem –e- und langem –ae-) bildet. Ja, den alten Römern war das Wort feriae total geläufig; sie bezeichneten damit grundsätzlich Tage, an denen alle Geschäfte ruhten, das waren eben die vielen, offiziell vorgeschriebenen oder auch privaten Ruhe-, Feier- und Festtage der altrömischen Tradition.
Irgendwann schlüpfte der beliebte Ausdruck um 1500 auch in die deutsche Sprache der Gerichte und Universitäten sowie der sich später entwickelnden Schulen herüber und bildet heute einen beliebten sprachlichen Schwerpunkt unserer modernen Freizeitwirtschaft.

Erstaunlich: Darüber, wie die Ferien in den verschiedenen Mundarten der deutschen Schweiz genau heissen, beziehungsweise wie sie klingen, ist aus den einschlägigen Fachbüchern (Schweizerisches Idiotikon, Sprachatlas der deutschen Schweiz etc.) nur wenig zu erfahren. Im ersten Band des Schweizerischen Idiotikons (Sp. 917) konnte das Wort gerade einmal für das Zürcher Oberland und Glarus belegt werden. In älterer Zeit sagte man stattdessen Vakanz oder Urlaub.

Was nun hingegen den Kanton Zürich betrifft, so ist ohne Zweifel die Lautung mit kurzem –ä– absolut vorherrschend, in exakter Mundart-Umschrift: Fèrie. Diese Lautung bestätigt auch etwa das Zürichdeutsche Wörterbuch von Heinz Gallmann (2010, S. 181).

Die Lautung mit langem, hellem –ee– (Feerie) ist höchst „unzürcherisch“ und mag lediglich in der Peripherie des Zürcher Weinlandes auftreten; im Wesentlichen ist die ee-Form, welche der hochdeutschen Aussprache nahe steht, durchaus charakteristisch für die Nordostschweiz, vor allem Sankt Gallen und Thurgau, vermutlich auch Schaffhausen.

Die Lautgestalt Fèrie ist also im Knonauer Amt und somit auch in Ottenbach zweifellos die alteinheimische Form.

(Dr. phil. A. Egli und Dr. phil. L. Thöny)

Schweizerdeutsches Gebrauchs-Wörterbuch für die Ostschweiz

Welche schweizerdeutschen Wörter müssen zugezogene Deutsche kennen, um sich im Alltag in der Ostschweiz zurechtzufinden?

Mit dieser Frage hat sich Christoph Schwarze, emeritierter Professor der Universität Konstanz, auseinandergesetzt. Als Resultat seiner Beschäftigung mit dem Thema ist im Jahr 2020 ein Schweizerdeutsches Gebrauchs-Wörterbuch für die Ostschweiz erschienen. Das Büchlein lässt sich auf der Webseite der Universität Konstanz gratis herunterladen (Schweizerdeutsches Gebrauchs-Wörterbuch für die Ostschweiz). Es dürfte für eingewanderte, sprachinteressierte Deutsche auch in anderen Regionen der Deutschschweiz von Interesse sein.

Zusammenfassung:

Es handelt sich um ein kleines kontrastives Wörterbuch. Den Kern der Schrift bildet eine alphabetische Liste von in der Ostschweiz gebräuchlichen Wörtern, die Deutschsprachigen ohne Schweizer oder alemannischen Hintergrund nicht vertraut sind. Es wird jeweils eine deutsche Übersetzung angegeben, ggfs. werden Bemerkungen zu Gebrauch und Redewendungen angefügt. Eine Einleitung erläutert die Konzeption des Wörterbuchs, und zwei Anhänge schließen es ab. Der erste beschreibt und begründet die gewählte Transkription des Schweizerdeutschen; im zweiten sind systematische Entsprechungen von Schweizerdeutschen und Standarddeutschen Lauten dargestellt.

 

SCHWARZE, Christoph, 2020. Schweizerdeutsches Gebrauchs-Wörterbuch für die Ostschweiz. Tägerwilen: Selbstverlag. 16 Seiten.

Verein Glarner Mundartwörterbuch gegründet

Am 6. November 2020 wurde in Glarus der „Verein Glarner Mundartwörterbuch“ gegründet. Die Gründungsmitglieder des neuen Vereins sind allesamt Mitglieder der Academia Glaronensis, welche im Jahr 2007 als einfache Gesellschaft entstand. Sie bezweckt in erster Linie die Pflege und Erhaltung der Glarner Mundarten.

Der Verein ist Trägerorganisation des „Glarner Mundartwörterbuchs“. Das Vorhaben zielt darauf ab, in den Jahren 2020-2023 ein neues glarnerdeutsches Wörterbuch zu erarbeiten.

Im Internet stellt sich der Verein unter der Adresse https://www.vglmwb.ch vor. Der Verein sucht aktiv Mitglieder und erhofft sich Spenden aus der Bevölkerung und von Firmen.

Flyer zum Herunterladen: Flyer.pdf

Abstimmungsresultate 2020

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen Planungsunsicherheit hat der Vorstand des Vereins «mundartforum» beschlossen, im Jahr 2020 auf die Durchführung der jährlichen Mitgliederversammlung zu verzichten. Stattdessen wurden die einzigen statuarisch erforderlichen Geschäfte des Vereins in diesem Jahr, nämlich die Bestätigungswahl des Vorstandsmitglieds Sandro Bachmann und die Abstimmung zur Kassenrechnung 2020, in einer brieflichen Abstimmung abgewickelt.

Sowohl die Bestätigungswahl als auch die Abstimmung zur Kassenrechnung wurden von den Vereinsmitgliedern, die an der brieflichen Abstimmung teilgenommen haben, einstimmig angenommen. Die Abstimmungsresultate sind im hier verlinkten Dokument schriftlich festgehalten.

Längwiligi Zitte

Folgendes Mundart-Gedicht von Lina Wisler-Beck entstand 1920, als in der Schweiz die Maul- und Klauenseuche grassierte. Dem einen oder der anderen mag das Gedicht auch in der heutigen Situation aus dem Herzen sprechen.

(Lina Wisler-Beck, 22. Juni 1920)

Niene isch Chilbi u niene isch Tanz
deheime ums Hus um versuret me ganz.
I ha mer scho mängisch der Chopf fasch verheit
was ächt no wär z’mache, dass Zyt umegeit.

Wär gwanet isch z’gumpe und z’tanze, o je
däm düe halt die Süche-Verordnige weh.
E jede muess säge, churzwiligs isch’s nit
No bsunders für ledigi, lustigi Lüt.

Grad äbe der Sunndig wird eim eso läng
s’Furtgoh isch verbote, u nämlech no sträng,
Gsiech eim deno öpper, o weisch de häts gfählt
do müesst me schwär buesse – u-ni ha kes Gäld!

Drum blieb i doheime. I schicke mi dry
u hoffe dä Jammer gang öppe verby.
I bi ja nid einzig, s’trifft anderi o,
s’isch ume es gwane, – Mi zahmet de scho!

Lina Wisler-Beck stammte aus dem Emmental und lebte später in Obergerlafingen im Kanton Solothurn. Sie dichtete zahlreiche Mundart-Gedichte, von denen einige anonym bzw. nur mit den Initialen L.B. versehen im Emmentaler Blatt, in der Rubrik „Emmentaler Joggeli“, abgedruckt wurden (Quelle: Interview in der Mundartecke, Radio DRS 1, 18.12.1988).

Korrektur 18.1.2021: Das Gedicht steht nicht mit der Spanischen Grippe im Zusammenhang, sondern mit der Maul- und Klauenseuche.

Stand am 4. Mundartfestival in Arosa

Der Infostand des Mundartforums mit Präsentation der Webplattform, Jugendsprache-Memory und – gemäss dem diesjährigen Dialektschwerpunkt – dem Züritüütsch-Quiz stiess auf reges Interesse am 4. Mundartfestival 2020 in Arosa (1.–4. Oktober). Trotz Corona-Zeit bewies der neue Besucherrekord (darum oft ausverkauft!), dass das vielseitige Festival einem Bedürfnis entspricht. Höhepunkte waren u.a. das Sina-Konzert am Samstagabend, die tiefsinnigen Auftritte von Amina Abdelkadir und der Schlussanlass mit Pedro Lenz und Max Lässer.

Das 5. Mundartfestival 2021 in Arosa findet vom 7.–10. Oktober statt.