Kategorie «Sprachstelle»

Auskunft Nr. 2019-02: Wie bestellt man auf Zürichdeutsch richtig Schweinefleisch?

Frage: Wie bestellt man eigentlich auf Zürichdeutsch korrekt eine Speise mit Schweinefleisch?

Antwort der Sprachstelle:

Das Schweinefleisch heisst im Züripiet Schwiinis oder, jünger, Schwiinigs, analog etwa zum Schaffleisch, dem wir Schööffis oder Schööffigs (öö mit Accent grave) sagen. Für das Fleisch
von Pferden, Kälbern, Kaninchen, Hühnern, Hunden und Katzen haben wir keine spezielle Bezeichnung, da heisst es einfach: Ross-, Chalb-, Hüener-, Chüngelfläisch etc.

Ich setze mich also in Gedanken in eine bodenständige hiesige Wirtschaft, die Kellnerin kommt und fragt mich, was ich mir wünsche. Dann antworte ich, meine Mundart nicht verleugnend:

Gits bin Ine Schwiinis/Schööffis? (hochdeutsch „Schweinenes“, bei Nestroy sogar Kälbernes!))

Oder: Händ Si Schwiinis/Schööffis?

Oder: Ich ha Gluscht uf Schwiinis, Schööffis.

Oder: Ich ha scho lang nüüt mee Schwiinis/Schööffis ghaa.

Oder: Chum i bin Ine Schwiinis/Schööffis über?

Oder: S tunkt mi, i gsäch in Irer Chaart nüüt Schwiinis/Schööffis.

Oder: Wie wèèrs daa bin Ine mit öppis/echli Schwiinigem/Schööffigem?
(Nicht: Schwiinenem/Schööffenem!)

Soweit die Phraseologie einer Schweinefleischbestellung! Am besten, man
probiert es gleich selber aus!

(beantwortet von Dr. phil. A. Egli)

 

Auskunft Nr. 2019-01: Wie heissen die Einwohner von Greifensee?

Wie heissen die Einwohner von Greifensee? Sagt man der Greifenseer, die Greifenseerin oder der Greifenseemer, die Greifenseemerin?

Antwort: Die –(e)mer-Einwohnerbezeichnungen kommen im Alemannischen öfters vor, neben Greifenseemer etwa noch in Ustermer, Schlieremer, Seemer (Winterthur-Seen), Meilemer. In historischen Dokumenten finden sich Beispiele etwa auch für Basel, so hiess das (innere) Aeschentor in Basel im Mittelalter Eschmertor, Eschemertor.

Heute kommt –(e)mer bei solchen Ortsnamen zum Einsatz, wo aus lautlichen Gründen eine einfache –er-Endung nicht passen würde. Das Anfügen von –er (wie in ZürichZürcher oder EggEgger) würde bei Ortsnamen, die auf einen Vokal (See-e, Schliere, Meile) oder auf –er (Uster) enden, zu kuriosen Formen wie Seeer, Schlierer oder Usterer führen. Dies vermeidet man, indem man auf die –(e)mer-Endung ausweicht.

Nach dieser Logik wäre also der Greifenseemer, die Greifenseemerin korrekt und es sind vermutlich auch diese Ausdrücke, die von den Einwohnern von Greifensee selber am meisten gebraucht werden. (Man müsste dies allerdings vor Ort bei Sprechern des traditionellen Ortsdialekts überprüfen, um es mit Sicherheit sagen zu können).

Was die Herkunft von –(e)mer angeht, gibt es verschiedene Möglichkeiten. In einigen Namen steckt wohl ein älterer Siedlungsname, der mit -heim zusammengesetzt ist, z.B. bei Arlisemer (Einwohner von Arlesheim). Es hiess also zuerst Arlesheimer, was dann im Verlauf der Zeit zu Arlisemer abgeschliffen wurde. Nach diesem Muster konnten später weitere Namen mit –(e)mer gebildet werden. In anderen Fällen steckt im Namen vielleicht ein althochdeutsches Wort wer m. ‘Mann’, wobei sich das w– zu einem m– verändert hätte. Die Sprachforscher sind sich noch nicht überall einig, welche Erklärung jeweils am ehesten zutrifft

Genaueres kann in folgender Fachpublikation nachgelesen werden:

Graf, Martin Hannes / Siegfried, Inga (2017): „Die Herausbildung und Verwendung des eigennamenspezifischen Suffixes –(e)mer im Alemannischen“. In: Beiträge zur Namenforschung 52 (4), S. 431 – 448.

Auskunft Nr. 2017-01: Seda

Frage:

Liebe Mundart-Experten, könnt ihr erklären, woher der Ausdruck «Seda» stammt, wenn man jemandem etwas gibt, und zu welchem Dialekt er gehört?

Antwort:

Über oder se (da) hets a lenga Artikù im Band 7 vom Schwizerische Idiotikon. , se, ssä sygi eerschtens a Interjektion, auso as Usruefwort, «zur Erregung der Aufmerksamkeit». As het d Bedütig «hee, pass uuf» i Sätz wi Sä, du Tschaupi, du trappisch mer uf d Hüenerouge oder sä, wo brönnts u d Bedütig «la gsee, chomm» i Sätz wi Sä, trink doch oo oder sä, los nöijis.
Zweitens – wy hütt vor alùm – hiisst «da, nimm» ù begleitet ds Gää. Wy bi tiens u tenez im Französische gits zu o di auti Höflichkiits- oder Pluralform sänd oder sät. Sänd, das isch üüwers oder sät, da heit dr non es Trinkgäutli. Bi üüs im Senslerdütsche gits analog zu de wäutschi Luttig no (da) oder tschä! Sozsääge a Müschig zwüschem aute germanische ù Französisch tiens.
Dem Wort het mù scho im Gootische chene begägne, ara germaanischi Spraach, wo lengschtens uusgschtorben isch. As isch auso uuraut. Im Authoochdütsche het mù probiert, das Ruefwort a ds Weerb sehen aazlääne; drum gits für di schrüftdütschi Übersetzig «lass sehen». , ssä het aber weder mit «sehen» no mit «saisir» epis z tüe, as isch as Wort für sich.
Ursprünglich gits daas auso i aune Tütschschwyzer Dialäkt – ù no drùberuus.

Antwort von Christian Schmutz, Radio SRF