Gewisse Dorfnamen wie Jegenstorf und Ueberstorf werden mit T geschrieben. Hat das mit Torf zu tun, oder ist es eine aussprachenahe Schreibweise von Dorf? Oder hat es einen anderen Grund?
– A. S.
Antwort der Sprachstelle:
In beiden genannten Fällen steckt in den Namen das Wort Dorf drin. Die Schreibungen mit T- haben historische Gründe: Die Namen tauchen so in historischen Dokumenten auf und sie haben sich auf diesem Weg eingebürgert, obwohl sie (zumindest aus heutiger Sicht) eigentlich nicht logisch sind.
Die Schreibungen reichen in eine Zeit zurück, als es noch gar keine normierte Rechtschreibung gab. Eine solche existiert erst ab ca. 1900. In früheren Zeiten haben die Schreiber mehr oder weniger nach Lust und Laune bzw. nach Gehör geschrieben. Die historischen Belege zu Ueberstorf zeigen zum Beispiel, dass im Mittelalter abwechselnd D- und T- geschrieben wurde: 1226 Jeberinsdorf, 1228 Ibristorf, 1235 Ybrisdorf, 1240 Hybristorf, 1243 Ibristorf usw.
In diesem Fall hat sich letztlich die Schreibweise –torf durchgesetzt, was aber letztlich eher dem Zufall geschuldet ist.
Bei den Siedlungsnamen wurde in der Schweiz irgendwann von politischer Seite beschlossen, dass man diese nicht mehr ändern darf. Dies, weil es für die Verwaltung viele Probleme machen würde, wenn sich die Siedlungen immer mal wieder umbenennen würden. Aus diesem Grund gibt es heute noch eine Reihe von Siedlungsnamen, die nicht der heutigen Rechtschreibung entsprechen, wie z.B. auch Langenthal (heute schreiben wir Tal und nicht, wie noch im 19. Jahrhundert, Thal). Sie wurden sozusagen in einer früheren Schreibweise „eingefroren“ und Änderungen sind nun nicht mehr möglich.
Das Dialektwort für «Torf» lautet im Schweizerdeutschen Tuurbe(n). Es kommt öfters in Flurnamen vor, zum Beispiel Turbenloch (Stelle, wo man früher Torf stach), Turbenmoos usw.
(L. Thöny, für die Sprachstelle des Vereins Mundartforum, 27.6.2026)