Längwiligi Zitte

Folgendes Mundart-Gedicht von Lina Wisler-Beck entstand 1920, als in der Schweiz die Maul- und Klauenseuche grassierte. Dem einen oder der anderen mag das Gedicht auch in der heutigen Situation aus dem Herzen sprechen.

(Lina Wisler-Beck, 22. Juni 1920)

Niene isch Chilbi u niene isch Tanz
deheime ums Hus um versuret me ganz.
I ha mer scho mängisch der Chopf fasch verheit
was ächt no wär z’mache, dass Zyt umegeit.

Wär gwanet isch z’gumpe und z’tanze, o je
däm düe halt die Süche-Verordnige weh.
E jede muess säge, churzwiligs isch’s nit
No bsunders für ledigi, lustigi Lüt.

Grad äbe der Sunndig wird eim eso läng
s’Furtgoh isch verbote, u nämlech no sträng,
Gsiech eim deno öpper, o weisch de häts gfählt
do müesst me schwär buesse – u-ni ha kes Gäld!

Drum blieb i doheime. I schicke mi dry
u hoffe dä Jammer gang öppe verby.
I bi ja nid einzig, s’trifft anderi o,
s’isch ume es gwane, – Mi zahmet de scho!

Lina Wisler-Beck stammte aus dem Emmental und lebte später in Obergerlafingen im Kanton Solothurn. Sie dichtete zahlreiche Mundart-Gedichte, von denen einige anonym bzw. nur mit den Initialen L.B. versehen im Emmentaler Blatt, in der Rubrik „Emmentaler Joggeli“, abgedruckt wurden (Quelle: Interview in der Mundartecke, Radio DRS 1, 18.12.1988).

Korrektur 18.1.2021: Das Gedicht steht nicht mit der Spanischen Grippe im Zusammenhang, sondern mit der Maul- und Klauenseuche.

Kommentare 2

  • Es wiederholt sich alles und nüd wird drus glernt,
    drum simmer däheime und so wit entfernt,
    vo Freude, wos Herz erwärmt.

  • Guten Tag

    Bin eben Falls eine leidenschaftliche Autorin im und Leserin von Gedichten.
    Komme aus dem unteren Emmental und schreibe im Oberaargauer Dialekt.
    Wie das Gedicht und das Buch „Em Dorfbach noh“ Geschichten und Bräuche aus den 50er Jahren.

    Herr jemmers, 15. Merze 2020…

    Was cheibs isch äch do passiert?
    dass me plötzli s WC-Papier rationiert,
    jede Faus zeigt es sech sofort…
    me sorget künftig für Notvorrot.

    Es informiert resolut der Bundesrot!
    Hantli d Schuele zue u Usgangsverbot.
    Im umeluege steit d Wäut unger Schock
    u suecht e würksame Impfstoff mit Hochdruck.

    Chranki Lüt, d Wirtschaft em Bode u ke Lohn,
    öppis verruckt s eso! E gfürchigi Situation.
    S Spitau-Pärsonau kämpft um Mönscheläbe
    gäng meh Lüt, Apparät u Schutzchleider fähle.

    E gfährlig Find, oder wi me däm seit?
    het rund ume Globus aus lahm gleit,
    dermit verwütscht er ys em lätze Bei
    macht aus kaputt wo mer ufboue hei.

    Lääri Stedt u Strosse, ke Beitz meh offe,
    zwe Meter Abstang, Häng wäsche u hoffe!
    Di Aute ghöre sowiso unger Karantäne,
    dene bringt me d Ychöif sogar vor d Türe.

    Jtz muess gleitig, massehaft Chlotz uf e Tisch
    um z Rette was z Rette isch,
    mit ere gwautige Finanz-Sprütze,
    wott d Regierig di ganzi Schwiiz ungerstütze.

    Tuusig ne Häufer u Häuferli heisst s Merci säge,
    wo di Lascht vo üs aune müesse träge.
    Nu, so gleitig chas go!
    Jtz müesse mer äuä leere, mit minger us cho?

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