Monatsarchive: Februar, 2026

Auskunft Nr. 2026-1: Flurname Hüenerspil

Ich habe mich schon immer gefragt, woher der Flurname Hüenerspil neben der Horeflue in der Gemeinde Saanen kommt. Laut einheimischer Legende hört man im Sommer die Hühner dort spielen. Ich habe jedoch auch schon gehört, dass Bühl und Biel Hügel bedeuten. Deshalb könnte es auch einfach ein Hühnerhügel sein. Was sagt die Wissenschaft dazu?

– A. S.

Antwort der Sprachstelle:

Der Name Hüenerspil oder Hüenderspil kommt in der Gemeinde Saanen sogar mehr als einmal vor. Zum einen ist es der Name der erwähnten Bergkuppe nahe der Horeflue, unweit der Grenze zu Zweisimmen. Daneben gibt es südlich des Turbachbachs, im Gebiet Berzgumm, zwei Bergweiden, welche die Namen Ufem groosse…  bzw. Ufem chliine Hüenerspiil tragen. Desweiteren kommt der gleiche Flurname Hüenderspiil auch noch ein Mal in der Gemeinde Boltigen vor.

Der Name ist tatsächlich aus Huen (Mehrzahl Hüen(d)er) und Spiil zusammengesetzt. Mit Huen ist in Flurnamen meistens das Rebhuhn oder zum Teil das Schneehuhn gemeint, also ein wildes Federvieh. Als man um 1950 in Saanen Aufnahmen für das Berner Ortsnamenbuch machte, wiesen lokale Gewährsleute sogar ausdrücklich darauf hin, dass sich an diesen Stellen Rebhühner aufhalten. Das ist so auf den Zetteln in der Sammlung des Berner Ortsnamenbuchs vermerkt.

Spiil wiederum ist in diesem Kontext sehr wahrscheinlich zu verstehen als «Balzen, Paarungsspiel von Wildvögeln». Somit sind die Namen als «Aufenthaltsort von wildem Federvieh», oder noch konkreter: «Stelle, wo wildes Federvieh balzt» zu verstehen.

Es ist richtig, dass das Wort Büel «Hügel» zum Teil in entrundeter Form als Biel vorkommt. Das betrifft aber eine andere Region. Die Lautung Biel ist typisch für Brienz und Umgebung. (Dort müsste es dann auch Hiender- heissen statt Hüender-).

Noch genauer kann man dies in den Artikeln Huen und Spil im Berner Ortsnamenbuch nachlesen.

(L. Thöny, für die Sprachstelle des Vereins Mundartforum, 14.2.2026)