Über das Wort muudere

muudere

Dieses so ausdruckskräftige Verb dürfte der jüngeren Deutschschweizer Generation kaum mehr voll geläufig sein; bei der älteren jedoch gehört es mit Sicherheit noch durchaus zum angestammten Wortschatz. Es bezeichnet generell den Schwebezustand zwischen Gesund und Krank bei Mensch und Tier, ja selbst in der Natur, und kann etwa laut Idiotikon, Band 4, Sp. 88, mit „kränkeln: matt, unbehaglich, verstimmt sein“ umschrieben werden. Bei den angesehenen Lexikographen des 16. Jahrhunderts, Fries und Mahler, steht gar die Bedeutung „feindschaft und neid gegen einem tragen, wider einen erzürnt sein“ im Vordergrund.

Gerne möchte man muudere für ein exklusiv schweizerdeutsches Schibboleth, eine helvetische Eigentümlichkeit, halten. Dies trifft jedoch nicht zu, denn wir haben das Wort mit unseren nächsten deutschen Nachbarn, den Schwaben und Bayern, gemeinsam. Die Gebrüder Grimm haben das Verb in seiner hochdeutschen Form maudern berücksichtigt und ziehen aufgrund zahlreicher Belege den Schluss: „Das Verbum gehört dem alemannisch-bairischen Sprachgebiete an.“ Interessanterweise hat aber unser muudere samt seinen süddeutschen Entsprechungen im Gegensatz zu unzähligen andern Mundartwörtern den Sprung in den anerkannten hochdeutschen Sprachschatz (noch) nicht geschafft. Warum wohl? Anscheinend hat sich bisher kein namhafter Fürsprecher dafür stark gemacht. Erst aber müsste sich muudere in hochdeutscher Lautgestalt auf der Deutschschweizer Sprachebene durchsetzen. Dies ist indes nicht der Fall, wie ein Blick in Kurt Meyers verdienstvolles „Schweizer Wörterbuch“ (Frauenfeld 2006) zeigt.

Dafür hat muudere einen andern bedeutsamen Sprung vollführt, nämlich jenen in den Bereich der Wetterterminologie: In der lapidaren Formel Es muuderet ist die Stimmung unzähliger trüber Wetterlagen unübertrefflich eingefangen!

Alfred Egli

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