Willkommen beim mundartforum

Willkommen beim mundartforum!

Das mundartforum ist eine Webplattform für alles, was mit den schweizerdeutschen Dialekten zu tun hat. Es bietet allen interessierten Personen – egal, ob sie sich nun in wissenschaftlichem oder künstlerischem Kontext mit Dialekten beschäftigen oder einfach sonst Freude am Dialekt haben – eine Plattform zur Vernetzung, zum Austausch und zur Zusammenarbeit.

Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zum Verein Schweizerdeutsch (dem Trägerverein des mundartforums), zu seinen Publikationen und Aktivitäten, eine Agenda mit Veranstaltungshinweisen, Informationen zur Sprachstelle des Vereins und ausserdem zahlreiche Verzeichnisse und Links zum Thema Mundart.

Zur Webplattform kann jede und jeder selbst etwas beitragen: Wir nehmen sehr gerne Veranstaltungshinweise, Ergänzungen zu den Linklisten und Verzeichnissen sowie sonstige Verbesserungsvorschläge entgegen.

Wir wünschen viel Spass beim Stöbern!

Gschmöis, die neue App zum Schweizerdeutschen

Dass Berner Täfeli, Zürcher aber Zältli zu einem Bonbon sagen, ist bekannt. Ebenso, dass das berühmte Chuchichäschtli bei den Bündnern Kuchikäschtli heisst. Die einzelnen schweizerdeutschen Dialekte zeigen aber nicht nur beim Wortschatz und in der Aussprache Besonderheiten, sondern etwa auch im Satzbau. So braucht man in der westlichen Deutschschweiz Kleingeld für es Billet z chaufe, in der östlichen Deutschschweiz hingegen zum es Billet z chaufe. Solche Unterschiede erfasst die App gschmöis.
Alle zwei Wochen erscheinen neue Fragen, bei denen die Nutzer und Nutzerinnen Sätze übersetzen, Wörter aufnehmen und aus verschiedenen Varianten auswählen können, welche sie selbst verwenden.
Die Resultate der beantworteten Fragen lassen sich direkt auf Live-Karten anschauen. Somit erlebt man dialektologische Forschung in Echtzeit. Wenn Deutschschweizer plötzlich vom Frühstück statt vom Zmorge reden oder sich das ostschweizerische Hoi! als Begrüssung ausbreitet, muss das nicht das Ende der Dialektvielfalt einläuten. Denn grammatische Unterschiede zeichnen weiterhin die verschiedenen Dialekte aus. Die App verschafft damit den Usern auch einen Eindruck, auf welch vielfältige Weise sich die schweizerdeutschen Dialekte voneinander unterscheiden.
Die App wurde an der Universität Zürich von Elvira Glaser, Sandro Bachmann, Anja Hasse und Daniel Wanitsch entwickelt und erschien am 1. August 2018 im Apple App Store und im Google Play Store.
Mehr Informationen zur App erhalten Sie auf der Webseite www.gschmois.uzh.ch; auf dem neusten Stand bleiben Sie auf den Social-Media-Kanälen auf Twitter und Facebook unter @gschmois und auf Instagram unter @gschmois_app.

 

 

Podiumsgespräch „Schweizerdeutsch“: Blick über den Tellerrand in Basel

Am 12. Juni 2018 hat in Basel auf Einladung der Basler IG Dialekt das Podiumsgespräch „Schweizerdeutsch“: Blick über den Tellerrand stattgefunden. Mit von der Partie waren vier Mitglieder unseres Vorstandes: Martina Heer, Sandro Bachmann, Anne-Regula Keller und Luzius Thöny. Moderiert wurde das Gespräch vom Basler Felix Rudolf von Rohr.

Ziel des Gespräches war es, eine „Auslegeordnung“ von Mundart und Mundartpflege in der ganzen Deutschschweiz zu machen. Es ging um die Gegenwart und Zukunft der schweizerdeutschen Dialekte, das Nebeneinander von Hochdeutsch und Dialekt, (fast) vergessene Mundartwörter und einiges mehr. Ausserdem gab es Gelegenheit für das Publikum, Fragen zu stellen oder sich mit sonstigen Anliegen rund um das Thema Dialekt zu Wort zu melden. Moderiert wurde das Gespräch von Felix Rudolf von Rohr.

Ankündigung: Jubiläumsanlass des VSD am 15. Dez. 2018

Der Verein Schweizerdeutsch wurde im Jahr 1938 von Adolf Guggenbühl und Eugen Dieth als «Bund Schwyzertütsch» zum Schutz der Schweizer Mundart und Dialektvielfalt gegründet. Seit 1990 heisst er «Verein Schweizerdeutsch». In diesem Jahr feiert der Verein sein 80-jähriges Bestehen.

Zur Feier des Jubiläums veranstaltet der Verein im November 2018 einen Jubiläumsanlass, an dem unsere Mundarten ganz im Vordergrund stehen sollen. Ziel ist es insbesondere, den VSD wieder stärker als Dachorganisation verschiedener dialektinteressierter und -pflegerischer Lokalgruppen zu etablieren. An der im Rahmen des Jubiläumsanlasses stattfindenden Generalversammlung sollen ausserdem die Vereinsstatuten überarbeiten und der Verein so fit für das 21. Jahrhundert gemacht werden.

Die Jubiläumsveranstaltung wird am 15. Dezember im Schloss Greifensee stattfinden. Ein detailliertes Programm wird zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle bekanntgegeben.

PS: Über unser Jubiläum wurde am Do., 26. April, in der “Schnabelweid” berichtet (ab 21 Uhr auf Radio SRF1; Aufzeichnung, ab 43:10 min).

Themendossier des Instituts für Mehrsprachigkeit: Schweizerdeutsch & Schule

Das Institut für Mehrsprachigkeit an der Universität Freiburg i.Ü. sammelt seit vielen Jahren Literatur zur Mehrsprachigkeit in der Schweiz. Die gesammelte Literatur wird online in einem Webportal öffentlich zugänglich gemacht. Das Webportal enthält u.a. auch ein Themendossier zum Thema „Schweizerdeutsch & Schule“, in welchem eine grosse Zahl an Publikationen (Zeitungsartikel, Zeitschriftenartikel usw.) zu diesem Thema verzeichnet ist.

Die Bearbeiter des Themendossiers schreiben dazu folgendes:

Das Dossier «Schweizerdeutsch und Schule» erlaubt Einblicke in die Didaktik sowie in das Nachdenken über das Nebeneinander von Dialekt und Standardsprache in der Schule. Bibliographiert wurden Lehrmittel, Presseberichte, graue Papiere und wissenschaftliche Studien von den 1950er Jahren bis in die jüngste Gegenwart.

Aus technischen Gründen ist leider eine direkte Verlinkung auf das Themendossier nicht möglich. Der Zugriff auf das Themendossier gelingt wie folgt:

Zum Tod von Stefan Sonderegger

Am 7. Dezember 2017 ist Prof. em. Dr. Stefan Sonderegger im 91. Lebensjahr verstorben. Er war ordentlicher Professor für germanische Philologie am Deutschen Seminar der Universität Zürich bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994. Sein wissenschaftliches Wirken galt besonders dem Althochdeutschen sowie der Orts- und Flurnamenkunde (Toponymie) und der Dialektologie in der Deutschschweiz.

Todesanzeige: Link

Nachruf bei der NZZ: Dominierende Persönlichkeit mit grossem rhetorischem Flair

Wikipediaartikel: Stefan Sonderegger

Zum Tod von Hanery Amman

Nachrufe:

Aus seiner Feder stammten die Schweizer Hits, die vor allem Polo Hofer berühmt machten. Nun ist Hanery Amman im Alter von 65 gestorben. Mehr auf: Tages-Anzeiger

Die Seele des Mundartrock: Mehr auf: NZZ

Der begnadete Komponist und Pianist Hanery Amman schrieb Schweizer Musikgeschichte. Ein knappes halbes Jahr nach Polo Hofer ist auch der zweite Mundart-Pionier 65-jährig an Krebs gestorben. Mehr auf: Solothurner Zeitung

Mundartliteratur: Neuerscheinungen 2017

Läsiblüescht

Prättigauer und Davoser Dialekttexte aus 159 Jahren.
Herausgegeben von der Walservereinigung Graubünden

ISBN: 978-3-909210-05-3
Walservereinigung Graubünden
erhältlich bei der Druckerei Landquart und im Buchhandel.
Peter Eggenberger: Vo gschiide ond tomme Lüüt

Vo gschiide ond tomme Lüüt“ von Peter Eggenberger, 124 Seiten, illustriert, Appenzeller Verlag, Fr. 22.–, erhältlich im Buchhandel, beim Verlag und beim Autor (ISBN 978-3-85882-761-6)
(10. Buch der Reihe „Kurzgeschichten im Kurzenberger Dialekt“)

Die Verlagszeitschrift „Die Zeile“ zur Neuerscheinung: „Erstaunliche Zwischenfälle und schier unglaubliche Tatsachen prägen dieses Buch. Im Mittelpunkt stehen Leute wie du und ich. Menschen, die intelligent und witzig-schlau agieren oder aber sich reichlich naiv verhalten…“

Dialekt-Kenner Christian Schmid, Radio SRF: Eggenberger ist ein Profi. Er schreibt witzige runde Geschichten und erzählt diese gekonnt. Die Zusammenarbeit mit ihm ist jedes Mal ein Vergnügen.

Auskunft Nr. 2017-01: Seda

Frage:

Liebe Mundart-Experten, könnt ihr erklären, woher der Ausdruck «Seda» stammt, wenn man jemandem etwas gibt, und zu welchem Dialekt er gehört?

Antwort:

Über oder se (da) hets a lenga Artikù im Band 7 vom Schwizerische Idiotikon. , se, ssä sygi eerschtens a Interjektion, auso as Usruefwort, «zur Erregung der Aufmerksamkeit». As het d Bedütig «hee, pass uuf» i Sätz wi Sä, du Tschaupi, du trappisch mer uf d Hüenerouge oder sä, wo brönnts u d Bedütig «la gsee, chomm» i Sätz wi Sä, trink doch oo oder sä, los nöijis.
Zweitens – wy hütt vor alùm – hiisst «da, nimm» ù begleitet ds Gää. Wy bi tiens u tenez im Französische gits zu o di auti Höflichkiits- oder Pluralform sänd oder sät. Sänd, das isch üüwers oder sät, da heit dr non es Trinkgäutli. Bi üüs im Senslerdütsche gits analog zu de wäutschi Luttig no (da) oder tschä! Sozsääge a Müschig zwüschem aute germanische ù Französisch tiens.
Dem Wort het mù scho im Gootische chene begägne, ara germaanischi Spraach, wo lengschtens uusgschtorben isch. As isch auso uuraut. Im Authoochdütsche het mù probiert, das Ruefwort a ds Weerb sehen aazlääne; drum gits für di schrüftdütschi Übersetzig «lass sehen». , ssä het aber weder mit «sehen» no mit «saisir» epis z tüe, as isch as Wort für sich.
Ursprünglich gits daas auso i aune Tütschschwyzer Dialäkt – ù no drùberuus.

Antwort von Christian Schmutz, Radio SRF

Mitgliederversammlung 2017 am 18. Nov.

Die jährliche Mitgliederversammlung findet in diesem Jahr am 18. Nov. 2017 in Bern statt. Wir treffen uns ab 10:30 Uhr im Restaurant Beaulieu an der Erlachstrasse 3 in 3012 Bern. Besonderer Programmpunkt: Christine Rothenbühler erzählt „D Späckomelette“ – grusligi Sage us de Alpe.

Gäste sind willkommen!

Anmeldung bis am 11. Nov. unter: https://beta.doodle.com/poll/pbck7qzdxcnm8zc9

Treffen der Dialektologen im Breisgau

Die alemannischen Dialektforscherinnen und -forscher haben sich im Oktober zu einer Arbeitstagung in Freiburg i. Br. getroffen. Dabei brachten viele interessante Projekte neue Erkenntnisse.

Seit über 50 Jahren versammeln sich Leute, die sich beruflich mit Mundarten beschäftigen, im Dreijahres-Rhythmus zu einer Arbeitstagung.  Mitte Oktober fand sich eine Gruppe mit rund 80 Personen aus der Alemannia (Süddeutschland, Elsass, Vorarlberg, Deutschschweiz) in Freiburg im Breisgau. Während zweieinhalb Tagen machten sie sich ein Bild von den aktuellen Entwicklungen in der Mundartforschung. Und beim Festanlass kam das Gesellige nicht zu kurz. Der Mundartdichter und Sprachverwurstler Stefan Pflaum holte die Sprachforscher ab.

Von dänk über kolümnele bis Schtyykch – alles Schweizerdeutsch

Hier lose ein paar fachliche Rosinen aus dem reich befrachteten Programm:

  • Helen Christen, Professorin an der Uni Freiburg (CH), sprach im Eröffnungsvortrag über Satzbestandteile, die im Schweizerdeutschen zu Partikeln werden. Die Wörter dänk, gloub, meini, schints schränken die Gültigkeit einer Satzaussage ein. «Der Sprecher kommentiert mit ihnen einen Sachverhalt mit Faktizität und Eventialität», sagte Christen. Dänk, gloub, meini, schints seien nur schwer zu übersetzen.
  • Mirjam Weder, Karin Madlener und Sophie Dettwiler (Unis Basel und Lausanne) untersuchen produktive Verben auf -le/-ele, die auf Nomen zurückgehen. Feste Formen wie zmörgele, tökterle, käfele sind Vorbilder für kreative Neuschöpfungen wie facebookele, kolümnele, whatsäpple oder interviewle. Schweizerdeutsch kann sich täglich verändern.
  • Raphael Berthele, Mehrspachigkeitsprofessor an der Uni Freiburg (CH), verglich die regelmässigen Diskussionen ums Mundartlernen mit denjenigen ums Fremdsprachenlernen. Bei beiden gebe es viele Stereotypen und Vorurteile, welche vom Zeitgeist geprägt seien. Berthele forderte wortgewandt mehr Forschung und weniger Meinung.
  • www.sprachatlas.ch heisst eine neue Internetseite über den Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Die Idiotikon-Redaktion macht darauf einige Originaldaten, -notizen und -karten aus dem Archiv zugänglich und erleichtert so das Forschen. Zusätzlich ist bei der Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften eine Broschüre über Bedeutung und Hintergründe des SDS herausgekommen.
  • Rebekka Studler von den Uni Basel hat die Einstellungen der Deutschschweizer gegenüber Dialekt und Standard untersucht und mit früheren Studien verglichen. Alte Stereotypen gegenüber dem Standard bleiben zwar, doch insgesamt wird der Umgang mit der hochdeutschen Variation immer selbstverständlicher. Er ist weniger belastet und weniger problematisch.
  • Christa Schneider und David Bichsel von der Uni Bern haben sich gefragt: «Can you English?» Wie sprechen die Berner englische und für Schweizer Ohren ungewohnte Laute wie in Pub, Update, etc. sowie in Steak aus? Gerade bei Steyk vs. Schtyykch zeigt sich, dass die mittlere Generation gern über das Ziel hinausschiesst. Auch gibt es Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Sprechern.
  • Aber auch im süddeutschen Raum wird viel geforscht. Javier Caro Reina hat dabei eine neue Einteilung des alemannischen Sprachraums propagiert. Es sei entscheidend, ob der Schwerpunkt eher auf der Silbenaussprache oder auf der Wortaussprache liege. Mit einer eigenen Analyse versuchte er, diese Typologie noch zu verfeinern.

Christian Schmutz, Oktober 2017