Willkommen beim mundartforum

Willkommen beim mundartforum!

Das mundartforum ist eine Webplattform für alles, was mit den schweizerdeutschen Dialekten zu tun hat. Es bietet allen interessierten Personen – egal, ob sie sich nun in wissenschaftlichem oder künstlerischem Kontext mit Dialekten beschäftigen oder einfach sonst Freude am Dialekt haben – eine Plattform zur Vernetzung, zum Austausch und zur Zusammenarbeit.

Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zum Verein Schweizerdeutsch (dem Trägerverein des mundartforums), zu seinen Publikationen und Aktivitäten, eine Agenda mit Veranstaltungshinweisen, Informationen zur Sprachstelle des Vereins und ausserdem zahlreiche Verzeichnisse und Links zum Thema Mundart.

Zur Webplattform kann jede und jeder selbst etwas beitragen: Wir nehmen sehr gerne Veranstaltungshinweise, Ergänzungen zu den Linklisten und Verzeichnissen sowie sonstige Verbesserungsvorschläge entgegen.

Wir wünschen viel Spass beim Stöbern!

Zum Tod von Stefan Sonderegger

Am 7. Dezember 2017 ist Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Stefan Sonderegger im 91. Lebensjahr verstorben. Er war ordentlicher Professor für germanische Philologie am Deutschen Seminar der Universität Zürich bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994. Sein wissenschaftliches Wirken galt besonders dem Althochdeutschen sowie der Orts- und Flurnamenkunde (Toponymie) und der Dialektologie in der Deutschschweiz.

Todesanzeige: Link

Nachruf bei der NZZ: Dominierende Persönlichkeit mit grossem rhetorischem Flair

Wikipediaartikel: Stefan Sonderegger

 

Zum Tod von Hanery Amman

Nachrufe:

Aus seiner Feder stammten die Schweizer Hits, die vor allem Polo Hofer berühmt machten. Nun ist Hanery Amman im Alter von 65 gestorben. Mehr auf: Tages-Anzeiger

Die Seele des Mundartrock: Mehr auf: NZZ

Der begnadete Komponist und Pianist Hanery Amman schrieb Schweizer Musikgeschichte. Ein knappes halbes Jahr nach Polo Hofer ist auch der zweite Mundart-Pionier 65-jährig an Krebs gestorben. Mehr auf: Solothurner Zeitung

Mundartliteratur: Neuerscheinungen 2017

Läsiblüescht

Prättigauer und Davoser Dialekttexte aus 159 Jahren.
Herausgegeben von der Walservereinigung Graubünden
ISBN: 978-3-909210-05-3
Walservereinigung Graubünden

erhältlich bei der Druckerei Landquart und im Buchhandel.

 

Peter Eggenberger: Vo gschiide ond tomme Lüüt

Vo gschiide ond tomme Lüüt“ von Peter Eggenberger, 124 Seiten, illustriert, Appenzeller Verlag, Fr. 22.–, erhältlich im Buchhandel, beim Verlag und beim Autor (ISBN 978-3-85882-761-6)
(10. Buch der Reihe „Kurzgeschichten im Kurzenberger Dialekt“)

Die Verlagszeitschrift „Die Zeile“ zur Neuerscheinung: „Erstaunliche Zwischenfälle und schier unglaubliche Tatsachen prägen dieses Buch. Im Mittelpunkt stehen Leute wie du und ich. Menschen, die intelligent und witzig-schlau agieren oder aber sich reichlich naiv verhalten…“

Dialekt-Kenner Christian Schmid, Radio SRF: Eggenberger ist ein Profi. Er schreibt witzige runde Geschichten und erzählt diese gekonnt. Die Zusammenarbeit mit ihm ist jedes Mal ein Vergnügen.“

 

 

Auskunft Nr. 2017-01: Seda

Frage:

Liebe Mundart-Experten, könnt ihr erklären, woher der Ausdruck «Seda» stammt, wenn man jemandem etwas gibt, und zu welchem Dialekt er gehört?

Antwort:

Über oder se (da) hets a lenga Artikù im Band 7 vom Schwizerische Idiotikon. , se, ssä sygi eerschtens a Interjektion, auso as Usruefwort, «zur Erregung der Aufmerksamkeit». As het d Bedütig «hee, pass uuf» i Sätz wi Sä, du Tschaupi, du trappisch mer uf d Hüenerouge oder sä, wo brönnts u d Bedütig «la gsee, chomm» i Sätz wi Sä, trink doch oo oder sä, los nöijis.
Zweitens – wy hütt vor alùm – hiisst «da, nimm» ù begleitet ds Gää. Wy bi tiens u tenez im Französische gits zu o di auti Höflichkiits- oder Pluralform sänd oder sät. Sänd, das isch üüwers oder sät, da heit dr non es Trinkgäutli. Bi üüs im Senslerdütsche gits analog zu de wäutschi Luttig no (da) oder tschä! Sozsääge a Müschig zwüschem aute germanische ù Französisch tiens.
Dem Wort het mù scho im Gootische chene begägne, ara germaanischi Spraach, wo lengschtens uusgschtorben isch. As isch auso uuraut. Im Authoochdütsche het mù probiert, das Ruefwort a ds Weerb sehen aazlääne; drum gits für di schrüftdütschi Übersetzig «lass sehen». , ssä het aber weder mit «sehen» no mit «saisir» epis z tüe, as isch as Wort für sich.
Ursprünglich gits daas auso i aune Tütschschwyzer Dialäkt – ù no drùberuus.

Antwort von Christian Schmutz, Radio SRF

Mitgliederversammlung 2017 am 18. Nov.

Die jährliche Mitgliederversammlung findet in diesem Jahr am 18. Nov. 2017 in Bern statt. Wir treffen uns ab 10:30 Uhr im Restaurant Beaulieu an der Erlachstrasse 3 in 3012 Bern. Besonderer Programmpunkt: Christine Rothenbühler erzählt „D Späckomelette“ – grusligi Sage us de Alpe.

Gäste sind willkommen!

Anmeldung bis am 11. Nov. unter: https://beta.doodle.com/poll/pbck7qzdxcnm8zc9

Treffen der Dialektologen im Breisgau

Die alemannischen Dialektforscherinnen und -forscher haben sich im Oktober zu einer Arbeitstagung in Freiburg i. Br. getroffen. Dabei brachten viele interessante Projekte neue Erkenntnisse.

Seit über 50 Jahren versammeln sich Leute, die sich beruflich mit Mundarten beschäftigen, im Dreijahres-Rhythmus zu einer Arbeitstagung.  Mitte Oktober fand sich eine Gruppe mit rund 80 Personen aus der Alemannia (Süddeutschland, Elsass, Vorarlberg, Deutschschweiz) in Freiburg im Breisgau. Während zweieinhalb Tagen machten sie sich ein Bild von den aktuellen Entwicklungen in der Mundartforschung. Und beim Festanlass kam das Gesellige nicht zu kurz. Der Mundartdichter und Sprachverwurstler Stefan Pflaum holte die Sprachforscher ab.

Von dänk über kolümnele bis Schtyykch – alles Schweizerdeutsch

Hier lose ein paar fachliche Rosinen aus dem reich befrachteten Programm:

  • Helen Christen, Professorin an der Uni Freiburg (CH), sprach im Eröffnungsvortrag über Satzbestandteile, die im Schweizerdeutschen zu Partikeln werden. Die Wörter dänk, gloub, meini, schints schränken die Gültigkeit einer Satzaussage ein. «Der Sprecher kommentiert mit ihnen einen Sachverhalt mit Faktizität und Eventialität», sagte Christen. Dänk, gloub, meini, schints seien nur schwer zu übersetzen.
  • Mirjam Weder, Karin Madlener und Sophie Dettwiler (Unis Basel und Lausanne) untersuchen produktive Verben auf -le/-ele, die auf Nomen zurückgehen. Feste Formen wie zmörgele, tökterle, käfele sind Vorbilder für kreative Neuschöpfungen wie facebookele, kolümnele, whatsäpple oder interviewle. Schweizerdeutsch kann sich täglich verändern.
  • Raphael Berthele, Mehrspachigkeitsprofessor an der Uni Freiburg (CH), verglich die regelmässigen Diskussionen ums Mundartlernen mit denjenigen ums Fremdsprachenlernen. Bei beiden gebe es viele Stereotypen und Vorurteile, welche vom Zeitgeist geprägt seien. Berthele forderte wortgewandt mehr Forschung und weniger Meinung.
  • www.sprachatlas.ch heisst eine neue Internetseite über den Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Die Idiotikon-Redaktion macht darauf einige Originaldaten, -notizen und -karten aus dem Archiv zugänglich und erleichtert so das Forschen. Zusätzlich ist bei der Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften eine Broschüre über Bedeutung und Hintergründe des SDS herausgekommen.
  • Rebekka Studler von den Uni Basel hat die Einstellungen der Deutschschweizer gegenüber Dialekt und Standard untersucht und mit früheren Studien verglichen. Alte Stereotypen gegenüber dem Standard bleiben zwar, doch insgesamt wird der Umgang mit der hochdeutschen Variation immer selbstverständlicher. Er ist weniger belastet und weniger problematisch.
  • Christa Schneider und David Bichsel von der Uni Bern haben sich gefragt: «Can you English?» Wie sprechen die Berner englische und für Schweizer Ohren ungewohnte Laute wie in Pub, Update, etc. sowie in Steak aus? Gerade bei Steyk vs. Schtyykch zeigt sich, dass die mittlere Generation gern über das Ziel hinausschiesst. Auch gibt es Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Sprechern.
  • Aber auch im süddeutschen Raum wird viel geforscht. Javier Caro Reina hat dabei eine neue Einteilung des alemannischen Sprachraums propagiert. Es sei entscheidend, ob der Schwerpunkt eher auf der Silbenaussprache oder auf der Wortaussprache liege. Mit einer eigenen Analyse versuchte er, diese Typologie noch zu verfeinern.

Christian Schmutz, Oktober 2017

Zum Tod von Polo Hofer – Vater des Schweizer Mundart-Rocks

Der Berner Mundart-Rockmusiker Polo Hofer – bekannt als «Polo National» – ist am 22. Juli 2017 im Alter von 72 Jahren gestorben. Hier eine Auswahl an Nachrufen und Erinnerungen aus Deutschschweizer Medien

Polo Hofer – vom Hippie und Popstar zum Schweizer des Jahres
wat.is/Hfi85BAAz40J:DhC

«Tschou zäme, isch schön gsy!» – Mundartrocker Polo Hofer im Alter von 72 Jahren gestorben
wat.is/Hfi85BAAzYMAupzC

Zum Tod von Polo Hofer «Gopfristutz e Kiosk»
www.nzz.ch/feuilleton/schweizer-mundartrocker-polo-hofer-ein-weltstar-der-schweizer-ist-gestorben-ld.1307654

Polo Hofer – Ein Weltstar der Schweizer
www.nzz.ch/schweizer-mundartrocker-polo-hofer-gestorben-ein-weltstar-der-schweizer-ld.1307657

NZZ_Polo Hofer_Interview_2006: «Die Groupies wären jetzt Mütter»
www.nzz.ch/articleDGISZ-1.2068

«Kiosk», «Teddybär», «Alperose»: die grössten Hits von Polo Hofer im Video
www.solothurnerzeitung.ch/schweiz/kiosk-teddybaer-alperose-die-groessten-hits-von-polo-hofer-im-video-131552531

Mit Polo National verliert die Schweiz ihren grössten Volkssänger – eine Würdigung
www.solothurnerzeitung.ch/kultur/musik/mit-polo-national-verliert-die-schweiz-ihren-groessten-volkssaenger-eine-wuerdigung-131552491

«Stüehl ewäg» – Erinnerungen in Bildern
www.nzz.ch/feuilleton/bildstrecke/zum-tod-von-polo-hofer-stueehl-eweg-ld.108279

Pedro Lenz über Polo Hofers Mundart: „Er hatte für jedes Lebensgefühl eine Sprache»
Für Schriftsteller und «Nordwestschweiz»-Redaktor Pedro Lenz war Polo Hofer ein Vorbild: Lenz schreibt exklusiv für die «Nordwestschweiz», wie Polo National ihn ermutigt hat, Geschichten in verständlicher Umgangssprache zu erzählen.
www.aargauerzeitung.ch/kultur/musik/pedro-lenz-ueber-polo-hofer-72-er-hatte-fuer-jedes-lebensgefuehl-eine-sprache-131555490

Polo national, der Linke
Ausgerechnet ein Kiffer entwickelte sich zum Lieblingsmusiker der Nation. Dabei blieb er politischer, als sich wohl mancher Fan bewusst war.
www.tagesanzeiger.ch/18129721

Eines der letzten Interviews_Aug.2016_Polo über die Diagnose Lungenkrebs: «Ich habe meine Sterblichkeit immer akzeptiert»
Schon seit geraumer Zeit machte sich die Schweiz Sorgen um den Gesundheitszustand von Mundart-Rocksänger Polo Hofer (72†). Im «Talk Täglich» von Tele Bärn verriet Hofer im August 2016, dass er an Lungenkrebs litt. Es war eines der letzten Interviews, das Hofer gab.
www.solothurnerzeitung.ch/schweiz/polo-ueber-die-diagnose-lungenkrebs-ich-habe-meine-sterblichkeit-immer-akzeptiert-130530259

Reis zum Samichlaus

Wer sich d’Zit bis zur Wienacht vetriibe will, macht sich am beschte mit em Müüserich Mäxu uf d’Reis zum Samichlaus. Jede Tag wartet e sorgsam illustrierts Oobetüür, im Berner Dialekt vezellt. Für Chind vo vier bis hundertzwänzgi.

Graf, Irene (Hg.): Adväntskaländer in Mundart: garantiert zahnschonend. Mit Illustrationen von Edith Pieren. mundARTverlag 2008.

Als Kalender (ISBN: 9783952371527) und als Hörbuech (ISBN: 9783952371534) erhältlich.

http://www.mundartverlag.ch/maexu/

Flade?

Chürzlich uf em Weg ad Uni. I stüüre dur de Bahnhof, halbe no i de S-Bahn am Lese, halbe scho im Seminarruum am Diskutiere. Us em Augewinkel erhasch i en neue Lade. E Bäckerei, wie s vo usse uusgseht. Mitten im akademische Chrüsimüsi meldet sich min Mage. Luutstarch, wie immer, und mit ere gnaue Vorstellig vo Zmittag: Flade söl s sii. Also mach i kehrt, laufe dur d Schiebetür gradwegs zum Trese und froge d Vechäuferin dehinder: «Grüezi, hend Sie Flade?» D Vechäuferin luegt mi vedutzt aa. «Was hend mr?» Ihres Züritüütsch loht mi no nöd zwiifl e, drum erwideri munter: «Flade.» Und im Moment, won i s sege, merk i, dass do kei akustischs Missveständnis vorliit, sondern e dialektals. Wan i meine, isch: «Wäääie.» I seg s mit Noodruck, zieh s «ä» id Längi, wil da d Zürcher doch so mached, oder? Es fühlt sich komisch aa. S Wort chunnt nu schwer über mini Lippe. Trotzdem muen i grinse, und au d Vechäuferin lächlet veschmitzt. Professionell, wie sie off esichtlich isch, velüürt sie kei Wort über üsen kulturelle Grabe. «Nei, leider», antwortet sie stattdesse und beloht s debii, zum üüs beidne wiiteri Piinlichkeite z erspare. So verlohn i de Lade ohni Flade. Ohni Wäääie. Ohni Zmittag. Und doch eigenartig zfride.

(Susanna Schoch)

Neues aus der Wissenschaft

Wenn man eine Lokalbevölkerung nach dem Klang ihrer Mundart oder derjenigen ihrer Nachbargebiete fragt, erhält man bisweilen recht interessante Antworten. Die Benennung von charakteristischen Merkmalen und die impressionistischen Beschreibungen des Klangs einer Mundart können einiges verraten darüber, wie eine Mundart von den Sprechern selber oder ihren Nachbarn wahrgenommen wird. In einem wissenschaftlichen Artikel von 2014 bespricht Helen Christen, Professorin für germanistische Linguistik, solche Laienaussagen über Mundarten, die im Rahmen der Datenerhebung für den Sprachatlas der Deutschen Schweiz (SDS) erfasst und im Atlas unter der Rubrik “Hinweise der Gewährsleute” vermerkt worden sind. So gab etwa eine Gewährsperson aus Sisikon (Kanton Uri) zu Protokoll, die eigene Mundart sei “nicht so gezogen wie diejenige von Schwyz”, womit wohl auf die unterschiedliche Entwicklung gewisser Langvokale angespielt ist. Häufig trifft man Aussagen wie diejenige einer Gewährsperson in Feusisberg (Kanton Schwyz), die sagte: “Hier sagt man öis, in Einsiedeln üüs”. Ein Vergleich zeigt nun, dass die Laienurteile zumindest bei den lautlichen Unterschieden verlässlich waren und mit den objektiven, für den SDS am jeweiligen Ort erhobenen Daten übereinstimmten. Bei Unterschieden im Wortschatz war dies jedoch nicht immer der Fall. So bemerkte etwa eine Gewährsperson in Sarnen, in Lungern sage man dem Bäcker Brootler, was aber durch die SDS-Daten nicht bestätigt werden konnte.

Christen, Helen (2014). “«Die hiesige Mundart ist nicht so gezogen wie diejenige von Schwyz». Metakommunikation und das Sprachraumwissen von Laien”. In: Bühler, Rudolf et al.: Sprachkultur – Regionalkultur. Neue Felder kulturwissenschaftlicher Dialektforschung. Tübingen. S. 35-54.

LT, 18. Juni 2016